Statistik zur Fernmeldeüberwachung

Zahl behördlich angeordneter Antennensuchläufe steigt erneut deutlich

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von René Jaun und ahu

Eigentlich ist die Zahl behördlich angeordneter Überwachungsmassnahmen 2025 moderat gestiegen. Für die meisten Massnahmen meldet der Dienst ÜPF ein Plus im einstelligen Prozentbereich. Klare Ausnahme sind Antennensuchläufe mit einem Plus von annähernd 70 Prozent.

(Source: Unsplash / Chris Yang)
(Source: Unsplash / Chris Yang)

Ein verlangsamtes Wachstum - so beschreibt der Dienst Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr (Dienst ÜPF) die Entwicklung der meisten Überwachungsmassnahmen, die er im Auftrag der Schweizer Strafverfolgungsbehörden und des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB) im Jahr 2025 umsetzte.

So habe sich beispielsweise die Anzahl der Echtzeitüberwachungen mit 1878 um 3 Prozent erhöht (2024: 1818), teilt der Dienst ÜPF mit. Die Anzahl der rückwirkenden Überwachungen liege mit 6531 um 382 über dem Vorjahr (2024: 6149, +6 Prozent). Die Notsuchen seien mit 1287 um rund 5 Prozent gestiegen (2024: 1223), während sich die Anzahl der Fahndungen mit 17 gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert habe (2024: 35).

Alles in allem aber verzeichnet die Überwachungsbehörde im Vergleich zum Vorjahr ein Plus an Massnahmen von satten 40 Prozent. Grund dafür sind Antennensuchläufe, wie der Mitteilung des Dienstes ÜPF zu entnehmen ist. Demnach waren 2025 19'091 Zellen Gegenstand eines Antennensuchlaufs, was einer Zunahme von etwa 69 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (2024: 11'290). Die Anzahl Fälle ist dabei auf 54 gestiegen (2024: 44).

Ein Drittel mehr Auskünfte

Ein zweistelliges Plus - um etwa 32 Prozent - verzeichnete der Dienst ÜPF 2025 bei den erteilten Auskünften: Die Behörde lieferte 44'836 komplexe Auskünfte (etwa Ausweiskopien oder Vertragsdaten), was einem Anstieg von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Angefragt wurden derweil 33'282 komplexe Auskünfte, gegenüber 19'357 im Vorjahr. Die Differenz erklärt der Bund dadurch, dass pro Anfrage mehrere Auskünfte erteilt werden können.

In Sachen einfachen Auskünften verzeichnete der Dienst im Jahr 2025 480'245 Anfragen (etwa Telefonbuch- oder IP-Adressen-Abfragen) - 2024 waren es noch 385'630 Anfragen. Der Dienst erteilte 650'034 einfache Auskünfte - 2024 waren es noch 495'119.

Mehr als doppelt so viele Massnahmen wegen Sexualstrafdelikten

Fast 45 Prozent aller Überwachungsmassnahmen (Echtzeit- und rückwirkende Überwachungen) betrafen im Jahr 2025 Vermögensdelikte, wie der Dienst ÜPF weiter mitteilt. Die damit verbundene Anzahl der Massnahmen ist im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent gestiegen. 24 Prozent aller Anordnungen betrafen strafbare Handlungen gegen Leib und Leben - die Zahl stieg um rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 8 Prozent der Massnahmen führte die Behörde zur Ermittlung von schweren Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz durch. Hier verzeichnete sie eine Steigerung von rund 10 Prozent. Rund 4 Prozent der Anordnungen erfolgte für Notsuchen und fast 3 Prozent aufgrund von Verbrechen und Vergehen gegen die Freiheit. Letztere sind im Jahr 2025 um 50 Prozent gestiegen. Die Massnahmen wegen Verbrechen und Vergehen gegen den öffentlichen Frieden (1 Prozent) sind im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent gesunken, während die Massnahmen wegen strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität (2 Prozent) um über 124 Prozent angestiegen sind. Die übrigen Überwachungsmassnahmen teilen sich auf Fahndungen und diverse Deliktarten auf.

Von 12 auf 4 sank die Zahl der Einsätze sogenannter Govware. Die meisten Einsätze solcher "besonderer Informatikprogramme", wie der Dienst ÜPF sie beschreibt, standen in Zusammenhang mit strafbaren Handlungen gegen das Vermögen. Auch IMSI-Catcher setzte die Behörde weniger ein, nämlich noch 151 Mal (im Vorjahr waren es 171). 62 Mal setzte der Dienst die Notsuchen nach vermissten Personen ein, 45 Mal ging es um schwere Betäubungsmitteldelikte.

 

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