Digitale Behördendienste – wurde an alles gedacht?
Immer mehr Behördengänge können über den heimischen Rechner abgewickelt werden. Doch die Schweiz hinkt gemäss dem EU-E-Government-Benchmark 2020 bei der Digitalisierung von Diensten und Prozessen in der Verwaltung im internationalen Vergleich hinterher.
Immerhin haben sechs von zehn Einwohnerinnen und Einwohnern 2020 Onlineangebote der öffentlichen Verwaltung genutzt. Doch was erwarten sie eigentlich von E-Government-Angeboten? "Die Bevölkerung erwartet nutzerfreundliche und sichere Verwaltungsleistungen, die 24/7/365 erreichbar sind", sagt Michael Keller, der als Leiter E-Government und Digitale Prozesse für die Stadt Zürich tätig ist. Die Stadt Zürich ist in Sachen E-Government in der Schweiz ganz vorne mit dabei. 50 000 Zugriffe verzeichnet die Stadt täglich auf ihren Webseiten. In der Schweiz zählt lediglich der Bund mehr Aufrufe.
Auf die E-Gov-Dienste der Stadt Zürich greifen Nutzerinnen und Nutzer via den zentralen Login auf "Mein Konto" zu. Hier können sie etwa Parkkarten beantragen, sich für Freizeitangebote einschreiben oder seit neustem Steuern online verwalten. Dass die Dienste zentral an einem Ort zusammengefasst werden, ist Teil des Erfolgs der Plattform.
Sicherheit hat Priorität
Der Hauptgrund dafür, dass E-Government-Dienste nicht umfassend genutzt werden, ist laut der nationalen E-Government-Studie 2019 mangelndes Vertrauen in die Datensicherheit. Die Sorge ist teilweise nachvollziehbar. Betrügerische E-Mails, die angeblich von der Zollverwaltung oder der Schweizerischen Post stammen, oder Cyberangriffe auf Spitäler und Medienhäuser zeigen, dass es im Internet keine hundertprozentige Sicherheit gibt.
So setzt die Stadt Zürich etwa auf Zwei-Faktor-Authentisierung, wenn Nutzer auf sensible Daten in "Mein Konto" zugreifen wollen, sonst reichen Nutzername und Passwort. Nicht alle Prozesse können aber komplett über die Plattform abgewickelt werden. "Manchmal ist auch eine Kommunikation per E-Mail notwendig", sagt Keller, "jedoch dürfen sensible Personendaten nie unverschlüsselt per E-Mail übertragen werden, der Schutz der Daten muss als Verwaltung immer oberste Priorität haben."
Viele von Firmen aufgebaute Sicherheitsperimeter, wie etwa Firewalls, sind hinfällig beim Versand einer Nachricht. Eine Nachricht, die im Web unterwegs ist, kann nur durch eine E-Mail-Verschlüsselung vor Einblicken und Missbrauch geschützt werden. Aber nicht nur die Verschlüsselung einer Übertragung ist essenziell, sondern auch die eindeutige Identifikation des Absenders. Damit Nachrichten als vertrauensvoll erachtet werden können, braucht es eine digitale Signatur, die nicht nur die Integrität einer E-Mail, sondern auch die Echtheit des Absenders bestätigt. Dies geschieht durch bestimmte Schlüssel, die von vertrauenswürdigen Zertifizierungsstellen einer bestimmten Person zugeordnet werden.
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