Kriminelle setzen vermehrt auf Callback-Scams
Cyberkriminelle nutzen angebliche Migros-Rechnungen, verdächtige Twint-Transaktionen oder vermeintliche Belastungen des Bankkontos, um an sensible Daten zu gelangen. In jüngster Zeit verleiten sie ihre Opfer in E-Mails oder Textnachrichten zu einem Rückruf.
Dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) wurden in den vergangen Tagen zahlreiche Fälle von sogenanntem "Callback-Betrug" gemeldet. Die Meldungen dazu seien in den letzten Wochen deutlich angestiegen, schreibt die Behörde.
Der Betrug beginnt jeweils mit einer E-Mail oder Textnachricht, in der behauptet wird, es sei ein kostenpflichtiger Vertrag abgeschlossen, eine verdächtige Transaktion festgestellt oder eine Zahlung ausgelöst worden. Um die Betroffenen zu einer schnellen Reaktion zu bewegen, setzen die Täter eine kurze Frist, innerhalb der die angebliche Belastung gestoppt oder die Transaktion rückgängig gemacht werden könne.
Kriminelle setzen auf Schweizer Vorwahlen
Charakteristisch für diese jüngste Betrugsmasche ist der Verweis auf eine Telefonnummer für Rückfragen. Neben ausländischen Nummern nutzen die Täter zunehmend auch Schweizer Festnetznummern, etwa mit den Vorwahlen 021, 022, 026 oder 071, um seriöser zu wirken. Am Telefon meldet sich dann eine angebliche Hotline. Tatsächlich antworten jedoch die Betrüger, welche dann versuchen, Kartendaten, Bestätigungscodes oder Twint-Zahlungen abzugreifen. Teilweise fordern die Anrufer auch zur Installation von Fernwartungs-Software auf, um angebliche Rechnungen zu stornieren oder Zahlungen rückgängig zu machen. Jedoch verschaffen sich die Kriminellen damit Zugriff auf den Computer des Opfers. Loggt sich die betroffene Person danach im E-Banking ein, können die Täter mitlesen oder selbst darauf zugreifen.
Verschiedene Absender
Häufig handelt es sich bei den Betrugs-E-mails um angebliche Transaktionsbestätigungen von Banken, die unberechtigte Abbuchungen vortäuschen. Als Absender dienen laut BACS jedoch zunehmend auch verschiedene bekannte Schweizer Unternehmen. Zuletzt kursierten beispielsweise gefälschte Migros-Rechnungen über mehr als 765 Franken, teilweise inklusive Wein, obwohl die Migros keinen Alkohol verkauft, wie das BACS schreibt. Dennoch genüge die vermeintlich hohe Belastung oft, um Verunsicherung auszulösen.

Angebliche Rechnung von der Migros über 765 Franken und der Aufforderung, dass man auf eine 021er Nummer anrufen soll (Source: bacs.admin.ch).
Ebenfalls verbreitet sind gefälschte Benachrichtigungen im Namen von Twint oder anderen Zahlungsdienstleistern. Das Ziel bleibt es, einen Rückruf zu provozieren und am Telefon zur Herausgabe von Daten zu drängen.

Angeblicher Zugriffsversuch auf das UBS-Konto von Portugal. Sollte man die Verbindung nicht gemacht haben, soll man auf eine 022er Nummer anrufen (Source: bacs.admin.ch).
Die Entscheidung, die missbrauchten Nummern zu deaktivieren, liegt laut BACS aktuell noch bei den Telefonprovidern allein. Mit der aktuellen Revision des Fernmeldegesetzes will der Bund das ändern. Künftig könnten Anbieter per Gesetz verpflichtet werden, missbrauchte Rufnummern zu sperren.
Empfehlungen
- Misstrauisch sollte man werden, wenn E-Mails oder Textnachrichten zum Rückruf einer bestimmten Nummer auffordern. Im Zweifelsfall empfiehlt das BACS, die offiziellen Kontaktkanäle des angeblichen Absenders zu nutzen.
- Unbekannten Personen sollte man nie Zugriff auf den eigenen Computer gewähren oder vertrauliche Daten wie Passwörter oder Kreditkartendaten preisgeben. Wurde bereits ein Fernzugriff-Programm installiert, sollte man dieses umgehend entfernen und alle Passwörter ändern.
- Bei Druck am Telefon oder per E-Mail sollte man den Kontakt sofort abbrechen. Wurden Kartendaten weitergegeben, empfiehlt es sich, die Karte sperren zu lassen und bei finanziellen Schaden Strafanzeige zu erstatten.
Anfang September warnte das BACS vor Psychotricks bei analogem Skimming. Auch bei dieser Betrugsmasche wird den Opfern ein vermeintlicher Zeitdruck vorgetäuscht, um Rückrufe zu erzielen. Mehr dazu lesen Sie hier.
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