Vorwürfe zu Regierungsnähe

Signal-Präsidentin und Telegram-Gründer geben sich aufs Dach

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von Sara Meier und msc

Entscheidungsträger von Signal und Telegram beschuldigen sich gegenseitig, Verbindungen zu verschiedenen Regierungen zu pflegen. Threema analysiert den Schlagabtausch der Kontrahenten in einem Blogpost.

(Source: Richard Lee / unsplash.com)
(Source: Richard Lee / unsplash.com)

Trotz des Abgangs grosser Werbekunden bleibt X (ehemals Twitter) relevant, wenn es um Mitteilungen von Unternehmen, Institutionen oder Prominenten geht. Und X wäre nicht X, wenn es auf der Plattform nicht hin und wieder zum Streit zwischen grösseren Accounts käme. Dieses Mal sind Signal-Präsidentin Meredith Whittaker und Telegram-Gründer Pavel Durov aneinandergeraten. 

Der Streit

Der Auslöser für die Streiterei war, wie für X typisch, Elon Musk. Der Tesla-Chef behauptet auf seinem Portal in einem Post, dass es "bekannte Schwachstellen" in Signal gebe, die Signal bewusst nicht behebe. Der Post bekam inzwischen eine sogenannte "Community Note", die Musks Behauptung widerlegt. Durch "Community Notes" können Nutzende auf X Posts mit irreführenden Inhalten markieren und aufklärenden Kontext zur Verfügung stellen. 

Dies konnte Signal-Chefin Whittaker nicht auf sich sitzen lassen und postete selbst einen längeren Post auf X, in dem sie Musks Anschuldigungen dementiert. Daraufhin stieg Durov mit ein und schrieb auf Telegram, dass Signals derzeitige Führungsriege "Aktivisten des US-Aussenministeriums" seien, die "für Regimewechsel im Ausland eingesetzt worden sind". Anstatt wie vorher bei Musk zu dementieren, ging Whittaker diesmal in den Angriffsmodus und warf Telegram vor, dass die App "notorisch unsicher" sei und "hinter den Kulissen mit Regierungen kooperiere". 

Fact-Checking von Threema

Threema nahm den Streit zwischen Whittaker und Durov nahm zum Anlass, um in einem Blogpost darüber zu berichten. Laut Threema weiss jeder, der sich mit sicheren Kommunikationsdiensten befasst, dass Telegram nach aktuellen Industriestandards "bei weitem" nicht als sicher angesehen werden kann, da es sich bei Telegram um einen Cloud-Messenger handelt. Nachrichten würden permanent auf einem Server gespeichert und nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, wodurch Telegram die Nachrichten jederzeit lesen könne.

Signal hingegen ist laut Threema ein wegen seiner Kryptografie hoch angesehener Messenger. Durovs Behauptung, dass private Signal-Nachrichten von "wichtigen Personen", mit denen Durov gesprochen habe, vor US-Gerichten und in Medien verwendet wurden, stuft Threema als falsch ein. 

Zum einen bezieht sich Durov laut Threema wahrscheinlich auf Tucker Carlson, der Durov interviewte und sagte, dass sein Signal-Konto von der NSA gehackt wurde. Carlson sei für die Verbreitung von Verschwörungstheorien und Falschinformationen bekannt, schreibt unter anderem der "Tagesspiegel". Zum anderen würden Gerüchte über fast jede sichere Chat-App immer wieder im Internet die Runde machen. In den Fällen, in denen sich Gerüchte bewahrheitet hätten, konnten sich Behörden laut Threema physischen Zugriff zu einem Mobilgerät verschaffen. Es sei auch möglich, dass Spyware auf der Ebene des Betriebssystems installiert wurde, wodurch das gesamte Gerät kompromittiert und die Sicherheit jeder darauf installierten App dahin wäre.

Auch der Behauptung, dass die Signal-Führung US-Agenten seien, kann Threema wenig abgewinnen. Zwar bekam Signal eine Anschubfinanzierung von rund drei Millionen Dollar vom regierungsnahen Open Technology Fund, jedoch sei unklar, inwiefern diese noch relevant sein sollte. 

Whittakers Aussage zur angeblichen Kooperation von Telegram mit Regierungen nimmt Threema im Blogpost ebenfalls unter die Lupe. Es bleibe unklar, worauf sich Whittaker mit dieser Aussage genau beziehe. Wenn sie Fälle anspreche, in denen Telegram geltendes Recht einhalten musste, dann wäre das nicht der Rede wert. Verfüge sie aber über Insiderinformationen, dann sollte sie diese laut Threema mit Telegram-Nutzenden teilen.

Apropos: Threema kritisiert Apple für seine Haltung zu "wild" installierten Apps auf iPhones. Mehr dazu lesen Sie hier.

 

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