Dieses Tool hilft beim Einschätzen digitaler Souveränität
Unter dem Namen "EU Sovereignty Score" veröffentlicht der niederländische IT-Dienstleister Accans ein Softwareverzeichnis mit Bewertungen der jeweiligen digitalen Souveränität. Für die Kriterien stützt sich die Plattform auf Vorgaben der EU. Demnach schneidet Schweizer Software immer etwas schlechter ab.
Wie digital souverän ist unser Softwarestack eigentlich? Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert der "EU Sovereignty Score". Auf der Plattform, die Anfang 2026 noch unter anderem Namen startete, unterhält das niederländische Unternehmen Accans ein Verzeichnis von laut eigenen Angaben über 6000 Softwareprodukten. Zu jeder Lösung ermittelte der IT-Dienstleister einen Score zwischen 0 und 100, der den Grad von digitaler Souveränität angeben soll.
Schlechtere Karten für die Schweiz
Wie Accans in einer Medienmitteilung ausführt, erhält jeder evaluierte Softwareanbieter denselben Score aus fünf Teilen mit je 20 Prozent Gewicht. Die fünf Teilkriterien orientieren sich an einem Teil des "Cloud Sovereignty Framework" der Europäischen Kommission. Sie heissen: Jurisdiktion, Datenresidenz, Hoheit über die Verschlüsselungsschlüssel, Freiheit von Lock-in und Verfügbarkeit des Quellcodes. Die Messmethode sei veröffentlicht, und jede Angabe auf einer Anbieterseite trage ein Nachweis-Label: vom Anbieter angegeben, im Register bestätigt oder technisch gemessen, erklären die Macher der Plattform.
Die Orientierung an EU-Vorgaben hat Nachteile für hiesige Softwareanbieter. Die höchsten Punktzahlen im "EU Sovereignty Score" erzielen nämlich Lösungen, die ihre Daten innerhalb der EU speichern. Datenhaltung in der Schweiz erhält zwar viele Punkte (da die Schweiz von der EU als "adäquaten Datenstandort" anerkannt werde), aber klar weniger im Vergleich zu Datenspeicherung in der EU.
Der in der Schweiz entwickelte Messenger Threema etwa, der inzwischen einem in Deutschland ansässigen Investoren gehört, erzielt einen Gesamt-Score von 67 Punkten. Konkret:
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Jurisdiction: 100 Punkte, dank Hauptsitz in der Schweiz.
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Data residency: 80 Punkte, weil die Daten zwar in der Schweiz, aber nicht in der EU gelagert werden.
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Cryptographic key sovereignty: 60 Punkte, da die Schlüssel durch einen in der EU ansässigen Anbieter verwaltet werden.
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Freedom from Lock-in: 40 Punkte, weil threema ein Closed-Source-Format nutzt. Ein Anbieterwechsel erfordert eine Datenmigration.
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Source & runtime sovereignty: 55 Punkte. Diverse Bestandteile sind zwar als Open Source verfügbar. Accans merkt aber an: "Die von uns geprüften Quellen geben nicht an, ob der Server-code quelloffen ist". Somit urteilt die Plattform: "Closed source, runtime with the vendor".
Zusammen mit der Beurteilung von Threema führt "EU Sovereignty Score" auch noch ein paar europäische Alternativen auf. Gleich mehrere Produkte weisen hier einen Score von 94 aus, darunter "Berty", "Conversations" oder "Gajim CZ". Durchsucht man die Plattform nach prominenten Threema-Rivalen, findet man etwa Whatsapp (Gesamtscore 17 Punkte), Signal (49 Punkte) oder Telegram (42 Punkte).
Übrigens lancierte auch Suse ein webbasiertes Tool zur Identifizierung von Lücken nach dem EU-Rahmenwerk für digitale Souveränität. Das Selbstbewertungs-Tool soll Unternehmen ein Ergebnis in weniger als 20 Minuten liefern. Mehr dazu lesen Sie hier.,
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