"LLMJacking"

Cyberkriminelle kapern LLM-Zugänge und treiben Cloud-Rechnungen hoch

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von Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Cyberkriminelle missbrauchen gestohlene Zugangsdaten und offen erreichbare Schnittstellen, um KI-Modelle auf Kosten ihrer Opfer zu nutzen. Google dokumentiert mehrere Fälle von "LLMJacking", bei denen an einem einzigen Tag mehr als 100'000 US-Dollar anfielen und sich die Kosten bei einzelnen Organisationen auf bis zu 1 Million Dollar summierten.

(Source: (Sona / AdobeStock)
(Source: (Sona / AdobeStock)

Cyberkriminelle verschaffen sich Zugriff auf KI-Modelle und Cloud-Ressourcen von Organisationen, um diese selbst zu nutzen oder den Zugang weiterzuverkaufen. Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) und Mandiant beschreiben in einer Analyse mehrere Fälle von "LLMJacking" aus dem Jahr 2026, wie Google in einem Blogpost schreibt. Die Vorfälle trafen Organisationen in Nord- und Südamerika sowie im asiatisch-pazifischen Raum, unter anderem aus dem Finanzwesen, dem Detailhandel, der Technologiebranche und dem Transportsektor.

Anders als beim Cryptojacking, bei dem Cyberkriminelle fremde Rechenleistung etwa zum Schürfen von Kryptowährungen missbrauchen, können die Kosten beim "LLMJacking" innerhalb weniger Stunden stark steigen. In einzelnen von Mandiant untersuchten Fällen verursachte der Missbrauch an einem einzigen Tag Cloud-Gebühren von mehr als 100'000 US-Dollar. Bei manchen Organisationen summierten sich die Kosten auf bis zu 1 Million Dollar, bevor diese die kompromittierten Zugänge sperrten.

Gestohlene Cloud-Zugangsdaten öffnen die Tür

Für den Einstieg suchen die Cyberkriminellen unter anderem nach öffentlich erreichbaren Schnittstellen zu KI-Modellen oder gültigen API-Schlüsseln. Am häufigsten beobachtete Google jedoch offengelegte oder gestohlene Cloud-Zugangsdaten, etwa für die Identitäts- und Rechteverwaltung, Service Accounts oder aktive Sitzungen.

In einem Fall sammelten Cyberkriminelle offen zugängliche API-Schlüssel eines Unternehmens aus öffentlichen Github-Repositories. Anschliessend prüften sie automatisiert, welche Schlüssel funktionierten. Dafür beschränkten sie ihre Anfragen jeweils auf ein einziges Token. So konnten sie die Zugangsdaten testen, ohne durch ein ungewöhnlich hohes Anfragevolumen aufzufallen.

Nach dem ersten Zugriff versuchen die Cyberkriminellen, ihre Rechte auszuweiten und den Zugang dauerhaft zu sichern. Google beobachtete unter anderem neu angelegte Benutzer- und Servicekonten, eingeschleuste SSH-Schlüssel sowie das Auslesen weiterer Zugangsdaten aus sogenannten Secret-Managern, die Schlüssel und andere Zugangsdaten zentral verwalten.

In einem weiteren Fall nutzten Cyberkriminelle die Schwachstelle CVE-2026-40217 im LLM-Gateway "LiteLLM". Damit konnten sie gewöhnliche virtuelle Schlüssel zu Administrator-Zugangsdaten hochstufen und ihre Kontrolle über die kompromittierte Umgebung ausbauen.

Teilweise aktivierten die Cyberkriminellen sogar KI-Dienste, die das betroffene Unternehmen zuvor gar nicht genutzt hatte. Anschliessend konnten sie auf dessen Rechnung leistungsfähige Sprachmodelle aufrufen oder zusätzliche GPU-Ressourcen bereitstellen.

LLM Mixers verkaufen gestohlene Zugänge weiter

Die gestohlenen Zugänge dienen nicht nur dem eigenen Gebrauch. GTIG beobachtete auch einen Weiterverkauf über sogenannte LLM Mixers. Diese illegalen Vermittlungsdienste bündeln gestohlene Zugangsdaten, verteilen Anfragen auf verschiedene Opferkonten und verkaufen den Zugriff auf KI-Modelle an ihre eigene Kundschaft weiter.

In einem dokumentierten Fall führten Cyberkriminelle mit gestohlenen API-Schlüsseln innerhalb von weniger als acht Stunden mehr als 500'000 Anfragen an Sprachmodelle aus. Die Schlüssel versorgten den Token-Routing-Dienst Jet Night mit Zugang zu den Modellen. Die dadurch entstandenen Token-Kosten von fast 1 Million Dollar belasteten die betroffene Organisation.

Jet Night bot unter anderem einen als unbegrenzt beworbenen Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen für rund 60 Dollar im Monat an. GTIG hält diesen Preis für deutlich niedriger als marktüblich und geht davon aus, dass der Dienst gestohlene Schlüssel nutzt, um profitabel zu arbeiten.

Google erwartet, dass "LLMJacking" an Bedeutung gewinnt, wenn Unternehmen leistungsfähigere KI-Modelle und agentische Workflows stärker in ihre Systeme integrieren. Cyberkriminelle dürften demnach verstärkt nach offengelegten API-Zugangsdaten suchen und Schwachstellen in Software ausnutzen, die Anfragen an verschiedene KI-Modelle vermittelt.


Übrigens: Auch gestohlene API-Schlüssel und Sitzungstoken landen auf einem Schwarzmarkt für KI-Zugänge. Wie Cyberkriminelle damit den Zugriff auf KI-Modelle zu Schleuderpreisen weiterverkaufen, lesen Sie hier.

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