Nach Angriff in Frankreich

Update: Angriffe auf Kühlanlagen treffen weitere Supermärkte - auch Coop im Visier

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von Elia Ferrari und Marc Landis und NetzKI Bot und cka, jor

In Schweden, Belgien und Luxemburg sind über Nacht die Temperaturen von Kühlgeräten in Dutzenden Supermärkten gestiegen. Auch in der Schweiz gab es Angriffsversuche.

(Source: Steve Patel / Flickr.com)
(Source: Steve Patel / Flickr.com)

Update vom 2.11.2026: In der Nacht auf Montag, 2. November 2026, sind in Dutzenden Supermärkten in Schweden, Belgien und Luxemburg die Temperaturen in Kühlschränken und Tiefkühltruhen rasant gestiegen. Einem Artikel der britischen Zeitung "The Guardian" zufolge besteht der Verdacht auf einen ähnlichen Cyberangriff wie im Oktober in Frankreich. 

Angriffsversuche auf Coop

Auch in der Schweiz registrierte Coop entsprechende Angriffsversuche, wie eine Sprecherin des Detailhändlers gegenüber "20 Minuten" bestätigt. Erfolgreich seien die Angreifer jedoch nicht gewesen. Coop verfüge über umfassende Sicherheitsmassnahmen und überprüfe und erweitere diese regelmässig, sagte die Sprecherin. Weitere Details sowie Angaben zu den eingesetzten Kühlgeräten nenne das Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht. 

Mehrere europäische Länder betroffen

In Schweden meldet die gleichnamige Supermarktkette Coop sechs betroffene Filialen und der Konkurrent ICA spricht von einer "begrenzten Anzahl Läden", wie "The Guardian" berichtet. Das schwedische nationale Cybersicherheitszentrum bearbeite derzeit mehrere Vorfälle in Lebensmittelgeschäften im ganzen Land, schreibt "NZZ" (Paywall). Zudem bestätige der niederländische Detailhandelskonzern Ahold Delhaize einen IT-Vorfall, der die Kühlanlagen in Dutzenden Supermärkten in Belgien und Luxemburg beeinträchtigt habe.

In Belgien trafen die Störungen unter anderem Filialen von Spar, mehrere Tankstellenläden sowie eine Reihe kleinerer Proxy-Delhaize-Märkte. Laut "NZZ" meldete auch Carrefour Probleme in mehreren Filialen. Laut Stephan Moelans, CEO des auf Kälteanlagen spezialisierten Installationsunternehmens Sabcobel, rückten die ersten Techniker bereits um 1 Uhr nachts aus und trennten die betroffenen Anlagen bis in den Vormittag hinein vom Netz.

Die Angreifer versetzten die Anlagen laut Sabcobel aus der Ferne in den Abtaumodus, wie die "NZZ" weiter berichtet. Die belgische Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen eingeleitet. Ob die neuen Ausfälle mit dem Angriff in Frankreich zusammenhängen, bleibe unklar.

Ausmass in Frankreich bekannt

Zum Angriff in Frankreich liegen inzwischen neue Zahlen vor. Gemäss der französischen Polizei übernahmen die Angreifer im Oktober die Kontrolle über Kühlanlagen in bis zu 700 Supermärkten. "The Guardian" zufolge veränderten sie aus der Ferne die Einstellungen Tausender Kühl- und Tiefkühlgeräte und trieben die Temperaturen auf über 50 Grad Celsius. Betroffen waren unter anderem Filialen von Intermarché, Coopérative U, Carrefour, Leclerc und Monoprix.

Viele Geschäfte mussten deshalb Waren wie Frischfleisch, Milchprodukte und Tiefkühlware entsorgen. Die Schäden beliefen sich auf mehrere Zehntausend bis über 130’000 Euro pro Filiale. 

 

Originalmeldung vom 13.10.2026:

Kühlschränke von Supermarktketten gehackt und abgetaut

Eine Cyberattacke hat die Kühltruhen Hunderter französischer Supermärkte gestört. Angreifer aktivierten eine Abtaufunktion und heizten die Kühlgeräte auf bis zu 50 Grad. Der Schaden ist beträchtlich.

Angreifer haben offenbar aus der Ferne auf die Kühlsysteme Hunderter französischer Supermärkte zugegriffen. Wie die französische Zeitung La Dépêche berichtet, hätten die Kriminellen eine Schwachstelle in Kältereglern des dänischen Herstellers Danfoss ausgenutzt. Mehrere Geschäfte mussten daraufhin frische und tiefgekühlte Lebensmittel entsorgen.

Die Angreifer hätten eine Abtaufunktion manipuliert und die Solltemperatur auf 50 Grad Celsius gesetzt, heisst es in dem Bericht. Entsprechend hätten sich die Anlagen während mehrerer Stunden erwärmt, statt die Waren zu kühlen. Nach Angaben der Handelsgruppe Les Mousquetaires waren 300 Filialen der zur Gruppe gehördenden Läden von Intermarché und Netto betroffen. Die Coopérative U meldete rund 100 betroffene Verkaufsstellen. E.Leclerc bestätigte Auswirkungen auf die Kühltechnik mehrerer Filialen, nannte jedoch keine Zahl. Laut einem französischen Branchenportal für Grosshändler könnten auch Standorte von Carrefour Market und Monoprix betroffen sein, die dies aber bislang nicht bestätigt hätten.

Das finanzielle Ausmass ist noch unklar. Einzelne Filialen sollen ihren gesamten Tiefkühlbestand verloren haben. Der geschätzte Schaden belaufe sich auf mehrere Hunderttausend Euro. Möglicherweise hätten die Angreifer die Suchmaschine "Shodan" genutzt, um über das Internet erreichbare Danfoss-Systeme zu finden. Solche Anlagen lassen sich laut dem Bericht unter anderem über Mobilfunkverbindungen aus der Ferne überwachen und warten. Sie seien nicht zwingend mit dem Firmennetzwerk eines Unternehmens verbunden, könnten bei unzureichender Absicherung jedoch trotzdem eine Angriffsfläche bieten.

Schwachstellen bekannt, Patches verfügbar

Im Steuerungssystem AK-SM 800A von Danfoss seien seit 2023 mehrere Schwachstellen bekannt, darunter einige als kritisch eingestufte Lücken. Patches hätten zur Verfügung gestanden, seien aber offenbar nicht auf allen betroffenen Geräten installiert worden. Danfoss erklärte laut "La Dépêche", das Unternehmen empfehle seinen Kunden seit Langem, unterstützte Systeme aktuell zu halten. Der Hersteller arbeite mit den betroffenen Kunden zusammen.

Bereits Ende August 2026 berichtete übrigens das deutsche Newsportal IT-Administrator über die nun ausgenutzten Danfoss-Schwachstellen. Forscher des Claroty-Team82 hätten die Weboberfläche des AK-SM 800A von Danfoss untersucht und seien unter anderem auf einen Authentifizierungsfehler sowie Schwachstellen für Command Injection und Manipulation der Nginx-Konfiguration gestossen. Letztere könnten nach erfolgreicher Anmeldung Remote Code Execution beziehungsweise einen Denial-of-Service-Zustand ermöglichen. Die zugehörigen Schwachstellen sind als CVE-2025-41450, CVE-2025-41451 und CVE-2025-41452 dokumentiert.

Danfoss beseitigte den Authentication Bypass bereits mit Firmware 4.2 und die beiden weiteren Schwachstellen mit Version 4.3.1, wie es weiter heisst. Inzwischen stelle der Hersteller für den AK-SM 800A die Version 5.0.19 bereit. Administratoren sollten daher eine aktuelle, unterstützte Firmware einsetzen und die Managementoberflächen der Controller nicht direkt aus dem Internet erreichbar machen. Das Beherzigen dieser Warnungen und rechtzeitiges Patchen hätte die französischen Supermarktketten wohl vor dem nun eingetretenen Schaden bewahrt.

Wer hinter dem Angriff steht und welches Ziel die Täterschaft verfolgte, ist noch nicht bekannt. Die Pariser Staatsanwaltschaft habe eine Untersuchung eingeleitet und beauftragte das französische Amt zur Bekämpfung von Cyberkriminalität mit den Ermittlungen. Die Ermittler sollen auch mögliche Zusammenhänge mit gemeldeten Bränden und den Warenverlusten klären. Frankreichs Cybersicherheitsbehörde Anssi tauscht sich zudem mit europäischen Partnerbehörden aus, um weitere betroffene Unternehmen und Länder zu identifizieren.

 

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