Update: Bundesrat beantragt 165,4 Millionen Franken für Alarmierungssysteme
Der Bundesrat will das Alarmierungssystem der Schweiz ausbauen. Warnmeldungen will er künftig auch per Cell Broadcast verbreiten. Für den Werterhalt und die Weiterentwicklung bestehender Systeme beantragt er beim Parlament einen Verpflichtungskredit von 165,4 Millionen Franken.
Update vom 29.10.2026: Der Bundesrat hat die Botschaft zur Weiterentwicklung des Alarmsystems verabschiedet. Dem Parlament beantragt er einen Verpflichtungskredit von 165,4 Millionen Franken. Insgesamt rechnet der Bund bis 2035 mit Investitions- und Betriebskosten von 220,9 Millionen Franken, wie es in einer Mitteilung heisst. Der Betrag soll Aufwände für den Werterhalt und die Weiterentwicklung der Systeme zur Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung abdecken, also das Kernsystem, das Sirenenfernauslösesystem sowie die Alertswiss-App und -Website.
Etwas konkreter sieht der Bundesrat Verbesserungen bei der Barrierefreiheit sowie die Verfügbarkeit wichtiger Informationen auf dem Smartphone auch ohne Netzverbindung vor. Zudem sollen alle Meldungen in standardisierten, maschinenlesbaren Formaten bereitgestellt werden, damit Drittanbieter sie in eigene Anwendungen – etwa in Fahrzeugbetriebssysteme – integrieren können. Ferner steht eine Erneuerung des zentralen Kernsystems an.
Mit der Botschaft überweist der Bundesrat auch den angekündigten Vorschlag, die Zuständigkeit für Sirenen - inklusive deren Finanzierung - an die Kantone zu übertragen. Der Bund bleibe weiterhin verantwortlich für eine einheitliche und gesicherte Sirenenfernsteuerung, ergänzt die Exekutive.
Derweil treibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) die Arbeiten an Cell Broadcast voran. Nachdem der Bundesrat vor ein paar Monaten einen separaten Verpflichtungskredit beantragt hatte, habe das Bundesamt eine entsprechende Fachgruppe etabliert, schreibt die Regierung.
Update vom 27.08.2026:
Bundesrat will Cell Broadcast bereits 2026 umsetzen
Der Bundesrat plant, bereits 2026 mit der Umsetzung von Cell Broadcast zu beginnen. Dabei handelt es sich um ein System, das es Bevölkerungsschutzorganisationen ermöglichen soll, bei Alarmierungen kurze Textnachrichten an die Mobiltelefone im betroffenen Gebiet zu schicken, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Einführung dieses Systems ist Teil der Multikanalstrategie zur Alarmierung der Bevölkerung.
Ursprünglich wollte der Bundesrat den Verpflichtungskredit für Cell Broadcast erst auf Ende 2026 beantragen. In der Vernehmlassung zur Multikanalstrategie hätten jedoch die Kantone sowie weitere Teilnehmende eine möglichst rasche Einführung von Cell Broadcast gefordert - zusätzlich unterstützt von einer Motion im Parlament.
Deshalb beantragt der Bundesrat nun im Rahmen des Nachtrags II 2026 einen Verpflichtungskredit von 15,8 Millionen Franken. Dieser beinhaltet laut Mitteilung "die Investitionen für den Aufbau der Broadcast-Infrastruktur bei den Mobilfunkanbietern und für Systementwicklungen, zu denen Schnittstellen zum Alarmierungssystem (Polyalert) gehören". Für Aufbau und Betrieb des Systems im Zeitraum von 2027 bis 2035 rechnet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit Gesamtkosten von 67,7 Millionen Franken, wovon 51,9 Millionen keinen Verpflichtungskredit benötigten.
Update vom 16.10.2025:
Bundesrat startet Vernehmlassung zur Modernisierung des Alarmsystems
Der Bundesrat will die Alarmierung der Bevölkerung modernisieren und dadurch in Krisen künftig über mehrere, sich ergänzende Kanäle informieren, warnen und alarmieren. Bereits im November 2024 hatte er sich für diese Stossrichtung ausgesprochen. Nun startete der Bundesrat die Vernehmlassung zur sogenannten Multikanalstrategie und brachte damit die rechtlichen Grundlagen zur Erneuerung des Kernsystems auf den Weg, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Vernehmlassung zu den entsprechenden Änderungen im Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz (BZG) dauere bis zum 2. Februar 2026.
Ein zentraler Bestandteil der Multikanalstrategie ist die Einführung des neuen Alarmierungskanals "Cell Broadcast". Damit sollen in Zukunft alle Mobiltelefone in einem betroffenen Gebiet automatisch eine Warnnachricht erhalten. Damit dies möglich ist, müssen die Schweizer Mobilfunknetze technisch ausgebaut werden, insbesondere durch die Schaffung eines "Cell Broadcast Center" pro Mobilfunknetz. Des Weiteren soll die Plattform Alertswiss weiterentwickelt werden, damit Informationen auch ohne Netzempfang abrufbar sind.
Bezüglich der Sirenen schlägt der Bundesrat vor, dass künftig die Kantone anstelle des Bundes für Betrieb und Unterhalt verantwortlich sind. Der Bund bleibe jedoch für die Fernsteuerung zuständig und plant, wie es weiter heisst, bis 2035 ein neues Sirenen-Fernauslösungssystem bereitzustellen.
Das bisherige UKW-basierte Notfallradiosystem soll hingegen eingestellt werden. Der Nutzen sei gering, die jährlichen Betriebskosten von rund 20 Millionen Franken dafür zu hoch, schreibt der Bundesrat.
Für die Umsetzung der Multikanalstrategie bis 2035 rechne der Bund mit Investitions- und Betriebskosten von rund 410 Millionen Franken. Davon machen laut Mitteilung 269,4 Millionen Franken neu benötigte Mittel aus.
Update vom 02.12.2024:
Bundesrat baut digitale Kanäle zur Alarmierung der Bevölkerung aus
Der Bundesrat will die Bevölkerung künftig auf mehr digitalen Kanälen vor Bedrohungen warnen können. Die vorgesehenen Massnahmen umfassen die Einführung von Cell Broadcast, sowie die Weiterentwicklung von Alertswiss und dem Warnsirenen-Netzwerk (siehe unten). Wie der Bundesrat mitteilt, beauftragt er das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) mit der Ausarbeitung einer Vernehmlassungsvorlage zur Umsetzung dieser Multikanalstrategie.
Die Weiterentwicklung der Informations-, Warnungs- und Alarmierungsinstrumente werde von 2027 bis 2035 zusätzliche Mittel von rund 213 Millionen Franken benötigen, heisst es in der Mitteilung des Bundesrats. Das Babs soll die Vernehmlassungsvorlage noch im ersten Halbjahr 2025 vorstellen.
Originalmeldung vom 12.07.2024:
Bund will Schweizer Bevölkerung per SMS alarmieren
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS hat seine Strategie zur Modernisierung der Alarmierungs- und Informationssysteme für die nächsten zehn Jahre bekanntgegeben. Die Schweiz setze bei Gefahrenlagen weiterhin auf eine Multikanalstrategie setzen, heisst es in einer Mitteilung.
Für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS sei es wichtig, dass die Öffentlichkeit über die bestehenden und zukünftigen Alarmierungs- und Ereignisinformationssysteme Bescheid wisse. Bei der Strategie geht es vor allem um die Weiterentwicklung bestehender Kanäle wie Sirenen und die App Alertswiss, die Errichtung von Notfalltreffpunkten in allen Kantonen sowie die Bereitstellung von maschinenlesbaren Daten.
Neu stellt das BABS den Cell Broadcast vor. Damit werden kurze Textnachrichten direkt an die Mobiltelefone der Bevölkerung in einem definierten Gebiet verschickt. So soll die Bevölkerung in allen Situationen schnell und zuverlässig informiert werden. Für die Einführung seien politische Weichenstellungen und weitere finanzielle Mittel nötig, teilt der Bund mit. Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS soll noch dieses Jahr ein Aussprachepapier vorlegen, um die politischen Grundsatzentscheide für die Umsetzung treffen zu können.
Übrigens: Die Schweizer Armee soll künftig Drohnen für Aufklärung und Angriffe einsetzen. Die entsprechenden Technologien will das VBS in der Schweiz beschaffen und veranstaltete zu diesem Zweck einen Round Table mit Teilnehmenden aus der Industrie. Mehr dazu erfahren Sie hier.
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