DSA-Umfrage

Das erwarten Berner Gemeinden von der neuen Datenschutzbehörde

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Im September 2026 startet die neue zentrale Datenschutzbehörde des Kantons Bern. Jetzt schon gaben die Gemeinden der Behörde Auskunft darüber, bei welchen Themen sie sich Hilfe erhoffen.

(Source: 4kclips / stock.adobe.com)
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Im September 2026 wird aus der Datenaufsichtsstelle (DSA) des Kantons Bern die Datenschutzbehörde (DSB). Zusätzlich zu ihrer bisherigen Funktion, ist sie auch für die Datenschutzbelange der meisten Berner Gemeinden verantwortlich. Das entsprechende Gesetz nahm der Grosser Rat Ende 2025 an.

Um sich auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten, befragte die DSA im Februar und März 2026 die Gemeinden: "Damit wir sie zielführend beraten und passendes Hilfsmaterial erstellen können, möchten wir ihre Bedürfnisse kennen", erklärte die DSA dazu.

Bei den angeschriebenen Gemeinden - darunter auch Kirch- und Burgergemeinden - stiess die Umfrage auf grösseres Interesse, als die DSA erwartet hatte: Zwei Werktage nach Lancierung der Umfrage verzeichnete die Behörde schon über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bis zum Ende der Eingabefrist waren es über 300 Gemeindevertreterinnen und -vertreter. "Damit hatten wir nicht gerechnet", schreibt die DSA.

Von Innosolv bis Microsoft

In der Mitteilung gibt die Aufsichtsstelle Einblick in die wichtigsten Erkenntnisse, die sie aus den Antworten ableitet. So stellt sie fest, dass rund 80 Prozent der Berner Gemeinden ihre IT an externe Dienstleister ausgelagert haben. In den Bereichen Einwohnerkontrolle/Mitgliederverwaltung, Personal, Finanzen und Schule kämen viele verschiedene Programme zum Einsatz. Ihren Fokus will die neue Behörde auf die meistgenannten Produkte und Dienstleister legen. Auf Anfrage nennt Ueli Buri, Datenschutzbeauftragter des Kantons Bern, ein paar konkrete Namen: In den Bereichen Einwohnerkontrolle und Mitgliederverwaltung wurden demnach Produkte der beiden Hersteller Innosolv und Dialog Verwaltungs-Data am häufigsten genannt. Das Unternehmen Dialog Verwaltungs-Data, welches die Post zum April 2026 mit T2i fusioniert, ist auch einer der meistgenannten Anbieter in der Kategorie Personal, Finanzen und Schule, zusammen mit Abacus. Und schliesslich taucht Dialog auch unter den meistgenannten Haupt-IT-Dienstleistern auf, zusammen mit auch Talus Informatik. Im Gespräch hält Buri fest, dass die Ergebnisse der Umfrage nicht repräsentativ sind.

Den Namen des Unternehmens, welches "den Markt für alltägliche Bürosoftware (Mailing, Telefonie, Textverarbeitung)" beherrsche, nennt die DSA in der Mitteilung nicht explizit. Offensichtlicherweise aber handelt es sich bei dem "bekannten US-Anbieter" um Microsoft.

Datenbekanntgabe wirft Fragen auf

Wie die Umfrage weiter zeigt, fanden in 90 Prozent der Gemeinden bislang weder Datenschutz-Vorabkontrollen noch -Audits statt. Zu diesen aufsichtsrechtlichen Instrumenten schrieb die DSA in einer Mitteilung, sie sollten "für die Gemeinden Mehrwert schaffen und sie nicht an den Pranger stellen", und grundsätzlich sehe sich die Stelle vor allem als "beratende und unterstützende Fachstelle". Dieses Selbstverständnis bringe der künftige Name "Datenschutzbehörde" besser zum Ausdruck.

Doch zurück zur Umfrage: Hier holte die Behörde noch die drängendsten Datenschutzthemen ab, die die Gemeinden umtreiben. Der mit Abstand grösste Beratungsbedarf besteht demnach beim Thema Datenbekanntgabe: "Wem darf oder muss die Einwohnerkontrolle unter welchen Bedingungen Personendaten bekanntgeben – und auf welchem (technisch sicheren) Weg?"

Hoch im Kurs seien auch Fragen zum Umgang mit KI und Clouds, zur Cybersicherheit im Allgemeinen und zu Verträgen mit IT-Dienstleistern.

Ferner erfuhr die DSA auch noch, welche Hilfsmittel sich die Gemeinden besonders oft wünschen: Checklisten, Leitfäden und Musterverträge. Rund 80 Prozent der Teilnehmenden gaben ausserdem an, sie würden eine Schulung oder einen Workshop der DSA besuchen.

Zum Schluss der Zusammenfassung hält die DSA fest, dass sich insbesondere Burger-, Kirch- und Kleinstgemeinden "ein massvolles und pragmatisches Vorgehen der DSA" wünschten.

 

Lesen Sie auch: Die Datenschutzaufsichtsstelle des Kantons Bern hat im vergangenen Jahr 183 Geschäfte bearbeitet. Sie beantwortete Fragen zu digitalen Stromzählern, zu vorgetäuschter Überwachung und zu heiklen Gesprächen in Microsoft Teams.

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