Lernende, Kunden und Partner betroffen

Update: Datenabfluss bei Genfer Stiftung für Erwachsenenbildung schwerer als gedacht

Uhr
von Yannick Chavanne und Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet, nki, Andreas Huber, rja

Die Genfer Stiftung für Erwachsenenbildung Ifage ist im April Ziel eines Cyberangriffs geworden. Im Juli veröffentlichte die Cybercrime-Gruppe Dragonforce einen Teil der dabei gestohlenen Daten. Nun gibt Ifage bekannt, dass der Cyberangriff vom April nicht nur interne Daten betrifft, sondern auch Daten von Kunden, Partnern und Lernenden.

(Source: ifage.ch)
(Source: ifage.ch)

Update vom 4.8.2026: Der Cyberangriff auf die Genfer Stiftung für Erwachsenenbildung Ifage hat mehr Schaden verursacht als ursprünglich angenommen. Nach einer Untersuchung desVorfalls erweitert die Stiftung das Ausmass der betroffenen Daten. Sie teilt mit, dass neben den bereits identifizierten internen Daten auch Daten von Kunden, Partnern und Lernenden betroffen seien. Die Daten beziehen sich demnach hauptsächlich auf den administrativen und geschäftlichen Austausch sowie auf die Schulungsorganisation. Sie umfassten jedoch weder die pädagogischen Systeme noch die Kundendatenbank. Diese seien nicht kompromittiert worden. Das IT-System der Stiftung sei zudem weiterhin voll funktionsfähig. Laut Mitteilung dauern die Untersuchungen an. 

IM Sommer hatte die Hackergruppe Dragonforce einige der bei Ifage  gestohlenen Daten veröffentlicht. Wie "Le Temps" (Paywall) berichtet, zeigen diese Dateien, dass die gestohlenen Daten über den Bereich der Personalabteilung hinausgehen. Demnach gehören insbesondere Anmeldeformulare, Prüfungsergebnisse, Kopien von Ausweisdokumenten sowie Verwaltungs- und Geschäftsunterlagen dazu. Diese betreffen laut der Zeitung "Le Temps", die einen Teil der online gestellten Daten einsehen konnte, die Ifage selbst sowie Unternehmen, von denen Mitarbeitende an Schulungen teilgenommen hatten. 

Was ein allfälliges Lösegeld betrifft, versicherte Ifage am 23. Juli in einer Mitteilung, dass "keine Lösegeldforderung an die Stiftung gerichtet" worden sei. Sie bekräftigte zudem, dass sie keiner Form von Erpressung nachgeben werde. Die Klarstellung erfolgte, nachdem Dragonforce auf seiner Darkweb-Seite einen Countdown gestartet hatte, bevor die Gruppe einen Teil der Daten veröffentlichte, wie "La Tribune de Genève" berichtet hatte. 

Die Stiftung hält die betroffenen Personen und Organisationen gemäss Mitteilung weiterhin auf dem Laufenden. Sie weist darauf hin, eine Strafanzeige eingereicht zu haben. Des Weiteren sei der Vorfall dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten gemeldet worden. Im Rahmen der Ermittlungen arbeite man zudem weiterhin mit dem Fedpol, der Genfer Kantonspolizei und den Justizbehörden zusammen. 

 

Originalmeldung vom 18.5.2026: 

Genfer Stiftung für Erwachsenenbildung verliert Personaldaten

Die Genfer Stiftung für Erwachsenenbildung Ifage ist im April Ziel eines Cyberangriffs geworden. Unbekannte verschafften sich Zugriff auf interne Systeme und entwendeten dabei Personaldaten von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitenden, wie die "Tribune de Genève" (Paywall) berichtet. Der Vorfall führte weder zu einer Verschlüsselung der Systeme noch zu einem Betriebsunterbruch. Lernplattformen und Daten von Studierenden sollen nach bisherigem Stand nicht betroffen sein.

Die Stiftung entdeckte den Vorfall am 13. April, nachdem Angreifer bereits am 11. und 12. April in die Systeme eingedrungen waren. Eine Lösegeldforderung blieb nach Angaben der Stiftung aus. Stattdessen hätten die Täter gezielt sensible Personaldaten kopiert.

Laut einem Schreiben an die Betroffenen könnten darunter Arztzeugnisse, Angaben zur familiären Situation sowie mögliche Hinweise auf Betreibungen oder verwaltungsrechtliche Sanktionen fallen. Die Stiftung ruft die Betroffenen deshalb zu besonderer Vorsicht auf - insbesondere gegenüber Identitätsdiebstahl, gezielten Phishing-Versuchen oder anderen Manipulationsversuchen auf Basis persönlicher Informationen.

Auffällig ist der Zeitpunkt der Information: Während aktuelle Mitarbeitende Ende April benachrichtigt wurden, erhielten ehemalige Beschäftigte erst am 9. Mai eine Mitteilung - rund einen Monat nach dem Angriff. Ifage begründet die Verzögerung damit, dass zunächst technische Analysen den Umfang des Datenabflusses zuverlässig klären mussten. Wie viele Personen tatsächlich betroffen sind und wo die gestohlenen Daten inzwischen gelandet sind, bleibt weiterhin offen.

Die Stiftung zog nach eigenen Angaben externe Spezialistinnen und Spezialisten für Cybersicherheit sowie juristische Unterstützung bei. Den Ursprung des Angriffs habe die Organisation inzwischen identifiziert, Details dazu nennt die Stiftung jedoch nicht. Sie habe den Vorfall dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten gemeldet und Strafanzeige eingereicht. 

 

Im vergangenen Jahr sind übrigens 9 von 10 Schweizer Unternehmen Opfer von einem Identitätsdiebstahl geworden, wie aus einer Umfrage von Sophos hervorgeht - mehr dazu lesen Sie hier

Wenn Sie mehr zu Cybercrime und Cybersecurity lesen möchten, melden Sie sich hier für den Newsletter von Swisscybersecurity.net an. Auf dem Portal gibt es täglich News über aktuelle Bedrohungen und neue Abwehrstrategien.

Webcode
M8xw87QP

Dossiers

» Mehr Dossiers

Aktuelle Ausgabe

Direkt in Ihren Briefkasten CHF 60.- » Magazin Abonnieren » Zum shop » Newsletter