Digitales Vertrauen im Kontext staatlichen Handelns

Handlungsoptionen für mehr Vertrauen in digitale staatliche Dienste

Uhr

Vertrauen in die digitalen Dienste eines Staates ist zentral für eine digitale Zukunft. Die SATW hat sich in einer Publikation mit dieser Thematik befasst und zeigt Herausforderungen und Handlungsoptionen für die Stärkung des digitalen Vertrauens auf.

(Source: AD / stock.adobe.com)
(Source: AD / stock.adobe.com)

Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche menschliche Kooperationen. Dies gilt ganz besonders für den digitalen Raum, in dem vertrauensbildende Massnahmen herausfordernd sind, da das Verhalten des Gegenübers oft schwerer zu interpretieren ist als im direkten zwischenmenschlichen Kontakt. Entsprechend komplex ist es, digitales Vertrauen - auf Neudeutsch auch "Digital Trust" genannt - aufzubauen. Gleichzeitig ist digitales Vertrauen aber entscheidend dafür, dass digitale Dienste genutzt werden und Daten medienbruchfrei ausgetauscht werden können. Digitales Vertrauen ist somit eine zentrale Komponente für eine erfolgreiche digitale Zukunft.

Dimensionen des digitalen Vertrauens

Damit der Aufbau von digitalem Vertrauen gelingt, bedingen sich Massnahmen für Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit in drei Dimensionen gegenseitig:

  • Vertrauen der Menschen in digitale Dienste: Entsteht unter anderem durch positive Erfahrungen mit transparenten, nachvollziehbaren und korrekt funktionierenden digitalen Diensten, die klar geregelte Verantwortlichkeiten aufweisen.
  • Vertrauenswürdigkeit der technischen Umsetzung digitaler Dienste: Grundlage dafür sind sichere und nachvollziehbar umgesetzte technische Massnahmen wie kryptografische Verfahren, digitale Identitätslösungen und verifizierbare digitale Infrastrukturen.
  • Vertrauenswürdigkeit von Organisationen, die digitale Dienste anbieten: Organisationen wirken vertrauenswürdig, wenn sie eine klare Governance, verbindliche Compliance-Richtlinien und transparente Prozesse auch nach aussen glaubhaft vorleben.

Während das Vertrauen der Menschen in digitale Dienste sehr individuell geprägt ist und entsprechend keine Patentrezepte bestehen, können die Vertrauenswürdigkeit der technischen Umsetzung und jene von Organisationen mit konkreten Massnahmen beeinflusst werden. Genau dieser Thematik widmet sich die kürzlich erschienene Studie "Digital Trust - Strategische Umsetzung für die Schweiz" der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW). Der Fokus lag dabei auf der Frage, wie staatliche digitale Dienste vertrauenswürdig konzipiert werden können und so das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer über die Zeit für sich gewinnen können. Diese Frage ist für eine digitale Zukunft insofern drängend, da viele Themenbereiche mit einem besonders hohen Vertrauensanspruch - man denke an Gesundheit, E-Government, Bildung oder Energie - zumindest teilweise im Zuständigkeitsbereich des Staates liegen.

Herausforderungen von staatlichen digitalen Diensten

Ein Bündel an Herausforderungen staatlicher digitaler Dienste ergibt sich aus der Verwaltungsstruktur, die geprägt ist durch fragmentierte Zuständigkeiten (z.B. entlang der jeweiligen Departemente) und durch den Föderalismus. Erstens führt dies zu einer schwer überschaubaren Governance und zu unklaren Compliance-Richtlinien (z.B. beim Vollzug des Datenschutzes). Zweitens fehlen dadurch verbindliche nationale Standards, was zu mangelnder Sicherheit und fehlender Interoperabilität führen und entsprechend die Servicequalität beeinträchtigen kann - mit wiederum negativen Effekten auf das Vertrauen der Menschen in die digitalen Dienste. Drittens gelten für den Staat beim Einsatz digitaler Dienste besonders hohe Anforderungen an Sicherheit und Transparenz (Erkennbarkeit und Erklärbarkeit). Dies gilt umso mehr seit der starken Verbreitung von künstlicher Intelligenz. Anders als bei Unternehmen im Wettbewerb kann der Staat bei digitalen Diensten nicht experimentieren und diese iterativ verbessern.

Eine Herausforderung, die sich nicht nur für staatliche digitale Dienste stellt, ist der Mangel an messbaren Erfolgskriterien für das Vertrauen in digitale Dienste. Dadurch bleibt einerseits unklar, welche Massnahmen effektiv vertrauensfördernd wirken. Andererseits kann ein Zugewinn an Vertrauen nicht sichtbar gemacht werden. Gerade letzteres könnte sich aber selbstverstärkend auf das Vertrauen der Menschen in digitale Dienste auswirken.

Handlungsoptionen für die Stärkung des digitalen Vertrauens in staatliche Dienste

Den skizzierten Herausforderungen bei der Stärkung des digitalen Vertrauens in staatliche Dienste kann der Staat mit einer Reihe von Massnahmen entgegentreten. Die kürzlich erschienene Studie der SATW zeigt u.a. folgende Handlungsoptionen auf: 

  • Schaffung eines nationalen "Digital Trust Officer": Die Koordination aller Massnahmen zur Stärkung des digitalen Vertrauens in staatliche Dienste wird an einer Stelle gebündelt. Diese Stelle schafft Transparenz sowie Verbindlichkeit und bietet den Nutzern und Nutzerinnen von digitalen Diensten eine Anlaufstelle für Fragen und Unklarheiten.
  • Implementierung nationaler Standards: Vorgaben zu Datensicherheit, Schnittstellen und Governance sollen, wo nötig, über Departements- und Kantonsgrenzen hinweg einheitlich erlassen werden. Ein wichtiger Akteur für diese Aufgabe ist die Digitale Verwaltung Schweiz (vgl. dazu das Interview mit Marcel Kessler).
  • Durchführung von Pilotprojekten zum Aufzeigen von Vorteilen digitaler Dienste: Damit das Vertrauen der Menschen in digitale Dienste des Staates über die Zeit wächst, sind eng gefasste, aber gut umgesetzte Pilotprojekte zentral. Anwendungen rund um die E-ID und ihre Vertrauensinfrastruktur könnten hier konkrete Vorteile erlebbar machen.
  • Förderung der partizipativen Entscheidungsfindung: Um nachhaltig Vertrauen schaffen zu können, müssen alle Stakeholder staatlicher digitaler Dienste miteinbezogen werden - von Unternehmen über die Wissenschaft bis hin zur Zivilgesellschaft. Gerade das Aushandeln, wie ein transparenter Einsatz von künstlicher Intelligenz im staatlichen Umfeld aussehen könnte, geschieht im Idealfall im Rahmen eines solchen partizipativen Prozesses.
  • Entwickeln messbarer Erfolgskriterien: Der Zugewinn an Vertrauen muss durch Kennzahlen sichtbar gemacht werden können. Das kann beispielsweise über Umfragen (vgl. Digitale Verwaltung Schweiz) geschehen. Noch zielführender wäre aber ein breit akzeptiertes Set an Kennzahlen. Im Rahmen ihrer Aktivitäten zu digitalem Vertrauen werden sich die SATW und weitere Akteure künftig mit dieser Thematik befassen.

 

Zwei Publikationen zu digitalem Vertrauen:
Die SATW beschäftigt sich bereits seit längerem mit der Thematik des digitalen Vertrauens. Startpunkt war dabei eine Studie der Digital Society Initiative der Universität Zürich in Kooperation mit der SATW. Die Ende 2024 erschienene Studie fokussiert dabei auf die Bedeutung des digitalen Vertrauens für die Innovationsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft.

In einem im Mai 2026 erschienenen Faktenblatt "Digital Trust - Strategische Umsetzung für die Schweiz" beleuchtet die SATW nun den Stellenwert von digitalem Vertrauen für Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik und Verwaltung, diskutiert bestehende Vorzeigeprojekte und zeigt Handlungsoptionen auf, wie in diesem Bereich Vertrauen in digitale Lösungen gestärkt werden kann. 

 

Der Autor: 
Tobias Schlegel ist Leiter Tech Intelligence bei der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW.

 

Wenn Sie mehr zu Cybercrime und Cybersecurity lesen möchten, melden Sie sich hier für den Newsletter von Swisscybersecurity.net an. Auf dem Portal lesen Sie täglich News über aktuelle Bedrohungen und neue Abwehrstrategien.

Für die verschiedenen Newsletter der SATW können Sie sich hier anmelden. "SATW News" informiert allgemein über die Aktivitäten der SATW und "MINT" fokussiert sich auf das Themengebiet Nachwuchsförderung. Beide werden auf Deutsch und Französisch angeboten.

Alle weiteren gemeinsamen Beiträge von SwissCybersecurity.net und der SATW finden Sie hier.

Webcode
RMX3Jzcc

Dossiers

» Mehr Dossiers

Aktuelle Ausgabe

Direkt in Ihren Briefkasten CHF 60.- » Magazin Abonnieren » Zum shop » Newsletter