Mistrals neues KI-Modell ist riesig, glänzt in Cybersecurity – und weniger im Programmieren
Der französische KI-Entwickler Mistral kündigt Version 4 seines grossen Sprachmodells an. Mit 49 Milliarden aktiven Parametern ist es deutlich umfangreicher als der Vorgänger. Besonders gut meistert es Cybersecurity-Tests.
Eine Million Parameter, davon 49 Milliarden aktiv – so umfangreich ist "Mistral Large 4" (ML4), das neue grosse Sprachmodell aus dem Hause Mistral. "Sehr inoffiziell" nenne man das Modell auch "Le Chonk", also "der Brocken", wie der in Frankreich ansässige KI-Entwickler mitteilt. Zum Vergleich: "Mistral Large 3" hatte 675 Milliarden Parameter, davon 41 Milliarden aktive.
In der Mitteilung hebt Mistral besonders die ML4-Fähigkeiten im Cybersecurity-Bereich hervor. In Tests für den Artificial Analysis Cyber Index rangiere das Modell unter den fünf besten aktuell verfügbaren Modellen und übertreffe ausserhalb Chinas entwickelte Open-Weights-Modelle bei Weitem, schreibt der Entwickler. IM "CTF Speedrun", einer Reihe von Cybersecurity-Aufgaben mit Zeitlimite, bewältigte ML4 18 von19 Aufgaben binnen 40 Minuten und landete damit ganz oben in der Rangliste.
Mistral weist zudem darauf hin, dass manche populäre Close-Weight-Modelle wie etwa das von OpenAI entwickelte GPT-6 Astra bestimmte Cybersecurity-Aufgaben aufgrund von Sicherheitsschranken gar nicht erst zu lösen versuchten. "Doch der Schutz von Software beginnt oft damit, nachzuweisen, dass eine Schwachstelle tatsächlich existiert – genau jene Art von Arbeit, die Sicherheitsfilter in geschlossenen Modellen blockieren", erklärt Mistral. ML4 verweigere solche Aufgaben nicht. In internen Tests habe es sich als nützlich für die Analyse von Schadsoftware, die Priorisierung von Schwachstellen und das Schreiben von Erkennungsregeln erwiesen. Mistral hebt auch hervor, dass Kunden das Open-Weight-Modell dereinst in privaten Clouds oder On-Prem betreiben können. Somit sei es interessant "für Organisationen, die souveräne, überprüfbare KI für ihren Sicherheitsbetrieb benötigen".
Luft nach oben im Coding
Laut Mistral ist Cybersecurity längst nicht die einzige Stärke von ML4. "Das Modell zeigt aussergewöhnliche Leistungen bei der Programmierung, in agentischen Arbeitsabläufen und beim multimodalen Verständnis. Es erreicht bereits eine Leistung, die mit den weltweit stärksten Open-Source-Modellen mithalten kann, und übertrifft zugleich jedes in den USA oder Europa entwickelte Open-Weight-Modell deutlich", schreibt der Entwickler.
"Heise" hat etwas genauer hinter die beeindruckenden Infografiken geschaut und kommt zu einem differenzierteren Urteil. Zwar stimmt es, dass ML4 in der Softwareentwicklung andere Open-Weight-Modelle schlägt. Die nicht genannten führenden Closed-Weight-Modelle von OpenAI und Claude lägen jedoch deutlich höher, schreibt das Newsportal.
"Mistral Large 4" ist aktuell als öffentliche Preview-Version verfügbar und werde laufend weiterentwickelt, schreibt der Hersteller. Zudem teste man das Modell mit Cybersecurity-Experten auf Schwachstellen. Ende Oktober 2026 will Mistral dann die Gewichte veröffentlichen.
Lesen Sie auch: Mehrere grosse KI-Unternehmen haben sich in den USA zur Entwicklung freiwilliger Sicherheitsstandards verpflichtet. Die Vereinbarung sieht unter anderem unabhängige Prüfer und Massnahmen vor, die verhindern sollen, dass KI-Systeme auf nicht vorgesehene Weise auf technische Infrastrukturen zugreifen.
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