SBB wollen Zugauslastung mit KI in Echtzeit erfassen
Die SBB testen gemeinsam mit dem Zürcher Unternehmen Parquery ein KI-basiertes System zur Fahrgastzählung. Die Lösung nutzt bereits installierte Sicherheitskameras in den Zügen und verarbeitet die Aufnahmen direkt vor Ort. Beim Datenschutz setzt das System auf anonymisierte Zähldaten und verzichtet laut Anbieter auf Gesichtserkennung. Ob die SBB die Technologie künftig einsetzen, ist noch offen.
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) prüfen eine KI-basierte Lösung, um die Anzahl der Fahrgäste in ihren Zügen in Echtzeit zu erfassen. Wie der "Tages-Anzeiger" (Paywall) berichtet, arbeitet das Bahnunternehmen dafür mit der Zürcher Firma Parquery zusammen. Diese ist auf KI-gestützte Bildanalyse spezialisiert. Ziel sei es, die Angaben zur Auslastung der Züge präziser zu machen.
Derzeit beruhen die Auslastungsprognosen auf einer Kombination aus historischen Daten, automatischen Zählungen und weiteren Einflussfaktoren, wie es im Bericht heisst. Die Schätzungen könnten jedoch von der tatsächlichen Auslastung abweichen. Das Projekt soll den Reisenden künftig genauere Informationen darüber liefern, wie stark die Züge tatsächlich besetzt sind.
Lokale und anonymisierte Fahrgastzählung
Die Technologie von Parquery nutze KI-Algorithmen zur Analyse von Videoaufnahmen der Zugtüren. Wie das Unternehmen auf seiner Website erklärt, erkennt das System, wann sich die Türen öffnen, und zählt bei jedem Halt automatisch die ein- und aussteigenden Fahrgäste. Anhand dieser Daten lasse sich die Auslastung der einzelnen Wagen während der Fahrt berechnen. Parquery gibt dabei eine Genauigkeit von 98 Prozent an. Zudem könne die Lösung bereits vorhandene Sicherheitskameras nutzen, ohne dass zusätzliche Sensoren für die Fahrgastzählung installiert werden müssten.
Die Verarbeitung der Aufnahmen erfolge lokal auf einem Edge-Computer im Zug. Gespeichert würden lediglich anonymisierte und statistische Zähldaten. Laut Parquery kann das System zudem potenziell identifizierende Merkmale wie Gesichter in Echtzeit unkenntlich machen, bevor die Bilder verarbeitet werden. Andrea Fossati, Mitgründer und CEO von Parquery, erklärt gegenüber dem "Tages-Anzeiger", dass die Technologie weder Gesichtserkennung noch biometrische Messungen oder eine Identifizierung von Personen einsetze.
Das Thema hatte bereits 2023 für Kontroversen gesorgt. Damals standen die SBB im Verdacht, an Bahnhöfen Gesichtserkennungskameras installieren zu wollen. Das Unternehmen bestritt damals, diese Technologie einsetzen zu wollen. Später verzichteten die SBB darauf, Reisende nach Alter, Geschlecht oder Körpergrösse zu kategorisieren, und passten ihre Ausschreibung an. Zum aktuellen Projekt erklären die SBB gegenüber dem "Tages-Anzeiger", dass sie sich vor einer allfälligen Einführung eines automatisierten Fahrgastzählsystems mit dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) abstimmen würden.
Das Projekt befinde sich allerdings noch in der Testphase. Laut Fossati ist ein regulärer Einsatz in den Zügen frühestens 2029 vorgesehen. Die SBB betonen gegenüber dem "Tages-Anzeiger", dass es sich derzeit lediglich um einen Machbarkeitsnachweis handle. Über eine Einführung sei noch nicht entschieden.
Nicht nur die SBB, sondern auch Swisscom setzt auf KI zur Analyse von Kundenverhalten. Der Telko nutzt die Technologie jedoch, um die Interaktionen zwischen Kundschaft und Mitarbeitenden zu überwachen. Das Ziel: bessere Kundenberatung.
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