Was die Schweizer IT-Bedrohungslandschaft im August geprägt hat
Nur wer weiss, welche Gefahren lauern, kann diesen effektiv entgegentreten. Der monatliche Bedrohungsradar von SwissCybersecurity.net zeigt, wovor man sich hüten sollte. Was im Juni die Schweizer Bedrohungslandschaft prägte, sagt Christian Malatesti, CISO von Swiss Life Asset Managers.
Was waren im vergangenen Monat die grössten IT-Bedrohungen für Schweizer Unternehmen?
Christian Malatesti: Aus meiner Beobachtung der aktuellen Bedrohungslage im Markt möchte ich Phishing und Social Engineering, Identitätskompromittierung, Ransomware und Angriffe auf Lieferanten und Dienstleister nennen. Wir sehen immer ausgeklügeltere Versuche, Unternehmen zu schaden. Ransomware bleibt ein ernstes Problem, während die zunehmende Abhängigkeit von Technologieanbietern zusätzliche Risiken schafft. Folgen können Datenverlust und Betrug bis hin zu Betriebsunterbrechungen, Reputationsschaden und regulatorischen Auswirkungen sein.
Wie kann man sich davor am besten schützen?
Für mich ist mehrschichtige Cyberresilienz der Schlüssel. Unternehmen sollten bewährte Sicherheitspraktiken wie strenge Identitätskontrollen und MFA, schnelles Patching, Zero-Trust-Prinzipien, Privileged-Access Management, effektive Überwachung und regelmässige Backup- und Recovery-Tests anwenden. Doch Technologie allein reicht nicht aus. Die Mitarbeitenden müssen Phishing, Identitätsnachahmungen und verdächtige Anfragen erkennen. Letztendlich muss ein Unternehmen in der Lage sein, Angriffe nicht nur zu verhindern, sondern sie auch frühzeitig zu erkennen, rasch einzudämmen und effektiv zu beheben.

Christian Malatesti, CISO von Swiss Life Asset Managers. (Source: zVg)
Welche Lehren können wir aus den Cybervorfällen des vergangenen Monats ziehen?
Die wichtigste Lehre ist, dass Prävention allein nicht mehr ausreicht. Angreifer zielen zunehmend auf Identitäten, Mitarbeitende und vertrauenswürdige Dritte ab, anstatt sich allein auf die Technologie zu konzentrieren. Das bedingt, dass wir unsere Abhängigkeiten verstehen und bereit sind, auch unter Druck zu agieren. Für mich ist Cybersicherheit ein Thema der operativen Resilienz, das nicht nur die IT betrifft, sondern auch das Management, Legal, Compliance, Kommunikation und Business Continuity. Reaktionsprozesse sollten regelmässig getestet werden, um für solche Ereignisse besser gerüstet zu sein.
Was sollten Schweizer Unternehmen jetzt tun – in Bezug auf die IT-Sicherheit?
Der Fokus sollte darauf liegen, die Grundlagen richtig zu machen: Schliessen kritischer Schwachstellen, Stärkung der Identität und des privilegierten Zugriffs, Backup- und Recovery-Tests, Verständnis von Cloud- und Drittanbieterabhängigkeiten und Verbesserung der Erkennungs- und Reaktionskompetenzen durch regelmässige Schulungen. KI ist eine weitere unmittelbare Priorität. Unternehmen brauchen eine klare Governance darüber, wie KI eingesetzt wird, auf welche Daten sie zugreifen kann, welchen Anbietern vertraut wird und wo menschliche Überwachung weiterhin erforderlich ist.
Wie wird sich die Bedrohungslandschaft in den nächsten Monaten wohl entwickeln? Welche Cyberrisiken oder -bedrohungen haben Sie derzeit besonders im Blick?
Ich gehe davon aus, dass Angriffe zunehmend automatisiert, identitätsgesteuert und KI-gestützt sein werden. KI wird Phishing, Identitätsnachahmung und Betrug überzeugender machen, während Cloud-Plattformen, Identitätssysteme und kritische Lieferanten attraktive Ziele bleiben. Zudem werden KI-getriebene Angriffe die Geschwindigkeit, mit der Schwachstellen ausgenutzt werden, beschleunigen, sodass Unternehmen immer kürzere Patching-Fenster haben. Gleichzeitig bietet KI auch auf der Verteidigungsseite grosse Vorteile. Sie kann Unternehmen helfen, Bedrohungen schneller zu erkennen, Muster in grossen Datenmengen zu identifizieren und Sicherheitsvorfälle effizienter zu analysieren und darauf zu reagieren. Wenn ich weiter in die Zukunft blicke, sehe ich ein strategisches Thema, das an Bedeutung gewinnt: die Post-Quantum-Bereitschaft. Unternehmen sollten frühzeitig verstehen, wo Quantencomputer künftig Risiken für ihre Verschlüsselung schaffen könnten.
Was 2026 bisher geschah
- Was die Schweizer IT-Bedrohungslandschaft im Juni geprägt hat, lesen Sie hier (eine Einschätzung von Oliver Schmid, CISO der Universität Zürich).
- Was die Schweizer IT-Bedrohungslandschaft im Mai geprägt hat, lesen Sie hier (eine Einschätzung von Andreas Steinmann, CISO von V-Zug).
- Was die Schweizer IT-Bedrohungslandschaft im April geprägt hat, lesen Sie hier (eine Einschätzung von Luca Cappiello, Head of Security bei Aveniq).
- Was die Schweizer IT-Bedrohungslandschaft im März geprägt hat, lesen Sie hier (eine Einschätzung von Marcel Bucher, CISO von BDO).
- Was die Schweizer IT-Bedrohungslandschaft im Februar geprägt hat, lesen Sie hier (eine Einschätzung von Manuel Köpfli, CISO der Basler Verkehrs-Betriebe BVB).
- Was die Schweizer IT-Bedrohungslandschaft im Januar geprägt hat, lesen Sie hier (eine Einschätzung von Umut Yilmaz, CISO der Berner Kantonalbank BEKB).
Was die Schweizer Bedrohungslandschaft in den vergangenen Jahren geprägt hat, lesen Sie hier.
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