David Scribane von Digicomp/Secutain im Podium

Das sind die Vorteile von Gamification bei Awareness-Trainings

Uhr
von Coen Kaat

Mit Awareness-Trainings können Unternehmen ihre Mitarbeitenden für Cybergefahren sensibilisieren. Gamification statt Frontalunterricht soll das Engagement erhöhen. Wo die Möglichkeiten und wo die Grenzen sind, sagt David Scribane, Trainer für Informationssicherheit bei Digicomp/Secutain.

David Scribane, Trainer für Informationssicherheit bei Digicomp/Secutain. (Source: zVg)
David Scribane, Trainer für Informationssicherheit bei Digicomp/Secutain. (Source: zVg)

Wie viel Gamification verträgt ein Awareness-Training?

David Scribane: Grundsätzlich eine ganze Menge. Es ist jedoch oft eine Frage der Unternehmenskultur, welche Gamification-Elemente in welchem Umfang eingesetzt werden. In einer Organisation, in der gute Awareness ein strategisches Ziel ist, ist es etwa sinnvoll, Mitarbeitende oder Bereiche sichtbar zu machen, die im besonderen Masse zur Sicherheit beitragen. Das kann beispielsweise durch Badges an Benutzerprofilen erreicht werden, die Mitarbeitende durch die Teilnahme an bestimmten Trainings erwerben. In Organisationen mit einem guten Teamgeist kann man auch mit einer Wall of Fame arbeiten. Um auf diese Walls zu gelangen, können Bereiche oder Mitarbeitende Punkte verdienen. Zum Beispiel durch eine aktive Beteiligung an Sicherheitsmassnahmen, das Bestehen von Tests oder durch umsichtiges Verhalten bei simulierten Phishing-Trainings.

Was sind die Vorteile eines gamifizierten Trainings?

Awareness und Informationssicherheits-Trainings eilt der Ruf voraus, technokratisch und wenig unterhaltsam zu sein. Mit Gamification-Elementen in den Trainings bricht man diese Erwartungshaltung. Ein Beispiel: Im Rahmen eines Online-Trainings kann man zur Repetition der bereits behandelten Themen Quizfragen stellen. Dies kann mit einem webbasierten Umfrage- oder einem Quiztool umgesetzt werden. Wer am schnellsten richtig antwortet, erhält ein Incentive und wird vor der Trainingsgruppe ausgezeichnet. Gleichzeitig wird aber auch die Frage gestellt, wie sicher sich die Teilnehmenden bei der Beantwortung fühlten. Diese Rückmeldungen werden statistisch ausgewertet und dargestellt. So erhalten alle in der Gruppe die Erkenntnis: "Ich bin nicht die einzige Person, der das noch schwerfiel. Ich mache mich wie viele andere erst auf den Weg. Ich bin nicht allein." Auch das motiviert.

Und was sind die Nachteile?

Gamification hat auch Grenzen. Es geht darum, nachhaltige Sensibilität und Awareness aufzubauen. Durch die Trainings sollen sich neue sicherheitsfördernde Gewohnheiten im Arbeitsalltag etablieren. Wenn aber durch Gamification-Elemente in den Trainings der Eindruck erzeugt wird, dass es ausreichen würde, einen Wettbewerb oder ein Spiel zu gewinnen und danach alle wieder in den üblichen Trott verfallen, ist die Wirksamkeit von Gamification zu gering. Das kann aber gut verhindert werden, indem im Training erlernte Verhaltensweisen im Nachgang incentiviert werden - also erst dann, wenn das Gelernte umgesetzt wird. So werden durch Gamification-Elemente Anreize gesetzt, die sich stärker im Handeln verankern.

Was ist der Schlüssel zum Erfolg bei Awareness-Trainings?

Zwei Dinge: Relevanz und Anschlussfähigkeit. Das bedeutet, dass auf der Ebene der konkreten Organisation dargestellt oder erarbeitet werden sollte, wie sich sicherheitsförderndes Verhalten auf die Handlungsfähigkeit auswirkt. Der Wert des Schutzes von Informationen muss deutlich werden. Dabei helfen Anekdoten aus der eigenen Organisation, Branche oder Gegend - Storytelling ist in allen Trainings ein wichtiges Element. Zudem ist es ganz wichtig, den Teilnehmenden die eigenen Fragen zu beantworten: "Was hat das eigentlich mit mir zu tun? Was hat das mit meiner Organisation zu tun? Und wie kann ich unterstützen?" Bestenfalls nimmt jede Person drei, vier ganz konkrete Punkte mit, auf die sie ab sofort achtet und ihr Verhalten darauf abstimmt. Wenn diese Vorhaben mit Gamification-Elementen unterstützt werden, kann ein höheres Commitment erreicht werden.

Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:

Webcode
DPF8_275506

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